Sie sind hier: Startseite » Aktuelles

Aktuelles

Engpass Verdauung

Rund 30 Prozent der Deutschen macht eine Verstopfung zu schaffen. Der oft gegebene Rat, mehr Ballaststoffe zu verzehren, ist zwar die Grundlage jeden Versuchs, den Stuhlgang zu regulieren. Aber Faserstoffe prinzipiell als Allheilmittel gegen das Problem auf dem stillen Örtchen zu bezeichnen ist falsch. Das Darmdilemma tritt akut auf, wenn der normale Tagesrhythmus durch Reisen, langes Sitzen oder Kostumstellung gestört wird. Aber auch Stress und Hektik kommen als potentielle Übeltäter in Frage. Dagegen trifft chronische Verstopfung eher die Menschen, die sich ballaststoffarm ernähren, zu wenig trinken oder Bewegungsmuffel sind. Die Darmtätigkeit brennt dann auf Sparflamme. Deshalb: Reichlich (etwa 30 Gramm/Tag) ballaststoffhaltige Nahrungsmittel wie Obst, Gemüse und Getreideprodukte auf dem Speiseplan und täglich rund zwei Liter Flüssigkeit heizen dem Darm ordentlich ein. Ballaststoffe binden Wasser an sich wie ein Schwamm. Durch ihr Quellungsvermögen erhöht sich das Stuhlvolumen; der Darm ist gezwungen, sich durch Bewegung von seiner Last zu befreien. Zusätzlich treibt körperliche Betätigung den Darm zu mehr Aktion an. Der Nahrungsbrei wird schneller transportiert und nicht so lange eingedickt, bis feste, knöllchenartige Stühle entstehen.

Ballaststoffe bringen nicht immer gute Geschäfte

Aber: Eine Analyse von Ernährungsgewohnheiten hat ergeben, dass Obstipierte nicht grundsätzlich weniger Ballaststoffe zu sich nehmen und auch nicht weniger trinken oder sich bewegen als Menschen ohne Verdauungsbeschwerden. Deshalb profitiert nur ein Teil von einer Ernährungsumstellung. Andere können sich mit einer ballaststoffhaltigeren Kost gar nicht anfreunden, weil sie sie schlecht vertragen. Bei ihnen nehmen Leibschmerzen, Luft im Bauch und Blähungen zu, Stuhlvolumen- und -frequenz dagegen nicht. Das Dilemma verschlechtert sich durch die Faserstoffe also eher noch. Die Betroffenen leiden unter einer sogenannten Slow-transit-Störung, bei der die Nahrung sehr verzögert durch den Dickdarm wandert. Grund sind Abnormitäten im Nervensystem des Darmes, weshalb er sich nur äußerst träge bewegen kann. Hinzu kommt häufig eine verminderte Sensibilität des Enddarms. Obstipierte benötigen ein höheres Stuhlvolumen im Enddarm, damit der Reiz zum Stuhlgang ausgelöst wird. Bei kleineren Stuhlmengen fällt diese Störung besonders ins Gewicht. Ballaststoffe sind auch für all diejenigen eine schlechte Behandlungsalternative, bei denen neurologische Krankheiten wie Querschnittslähmung oder Morbus Parkinson den Darm lahmlegen. Das gilt auch für den Fall, wenn Medikamente wie opiathaltige Schmerzmittel, Antiepileptika, trizyklische Antidepressiva, Parkinsonmittel oder blutdrucksenkende Präparate die Darmtätigkeit hemmen. Für diese Fälle ist der Einsatz von Abführmitteln gerechtfertigt. Schließlich verbessert sich die Lebensqualität ganz erheblich.

Abführmittel ziehen Wasser in den Dickdarm

Der Angriffsort der meisten Laxantien ist der Dickdarm. Dort sorgen sie dafür, dass Wasser im Darm zurückbleibt, damit der Nahrungsbrei nicht allzu stark eingedickt wird. Das können zum Beispiel die sogenannten Anthrachinone, Inhaltsstoffe aus Faulbaumrinde, Aloe oder Sennesblättern und -früchten, genauso wie die chemisch-synthetischen Substanzen Natriumpicosulfat und Bisacodyl. Eine Daueranwendung lehnen Fachleute jedoch ab, längerfristig verändern die Anthrachinone nämlich den Elektrolythaushalt, führen zur Gewöhnung und können die Verstopfung verstärken. Auch die altbekannten Laxantien Glauber- und Bittersalz bergen auf Dauer Gefahren für den Elektrolythaushalt. Als schonend und unbedenklich gelten Lactulose und Lactitol. Die Unbedenklichkeit von Lactulose zeigt sich zum Beispiel darin, dass sie in Japan als Lebensmittelzusatzstoff deklariert ist und Babynahrung, Milchprodukten und Erfrischungsgetränken zugesetzt wird. Einziger Nachteil dieser Laxantien, die zu den osmotisch wirkenden Abführmitteln gehören: Sie führen oft zu Aufgetriebensein und Blähungen, weil beim bakteriellen Abbau der Kohlenhydrate verstärkt Kohlendioxid entsteht. Für Betroffene, die medikamenten- oder krankheitsbedingt unter einer Obstipation leiden oder die nicht ausreichend Ballaststoffe verzehren können, empfiehlt sich auch für den Dauergebrauch Macrogol. Macrogol ist ein relativ großes Molekül, das eine definierte Menge Wasser an sich bindet. Und zwar genau jene Menge, die der Darm für eine ungestörte Verdauung benötigt.

Wir nutzen Cookies auf unserer Website um diese laufend für Sie zu verbessern. Mehr erfahren